Persönlichkeiten Südtirols - Ötzi, Messner, Magnago und Co.

Freiheitskämpfer, Bergsteiger, Alt-Landeshauptmann und Gletscher-Mumie. Es sind die Menschen, die darin leben, die ein Land und seine Geschichte prägen. So hat auch Südtirol Persönlichkeiten, die es zu dem machen, was es ist. Und diese stellt das Hotel Tyrol hier vor. Besuchen kann man nur Ötzi. Andreas Hofer wurde ein Museum gewidmet, Reinhold Messner lädt auf sein Schloss Juval ein und Silvius Magnago ruht in Frieden am Bozner Friedhof.

Andreas Hofer, Freiheitskämpfer aus Südtirol

Der Freiheits- kämpfer Andreas Hofer

Andreas Nikolaus Hofer wurde am 22.11.1767 in Sankt Leonhard im Südtiroler Passeiertal geboren. Früh starben seine Mutter (1770) und sein Vater (1774). Hofer verdingte sich als Wein- und Pferdehändlersgehilfe und reiste viel. Bereits mit 22 Jahren übernahm Hofer den herabgewirtschafteten Sandhof von seiner Stiefmutter und heiratete 1789 Anna Ladurner, mit der er sechs Töchter und einen Sohn zeugte. Schon zu Zeiten Josephs II. vertrat er seine Gemeinde im Tiroler Landtag. Lesen und schreiben lernte Hofer nie richtig. Österreichs Glanzzeit in der Europäischen Politik war zu Lebzeiten Hofers schon vorbei.


Das revolutionäre und expandierende Frankreich (noch) unter Ludwig XVI. (hingerichtet 1793) erklärte Österreich und Preußen 1792 den Krieg. Schnell zeigte sich, dass die Volksheere der Revolution ('Levée en masse') den "stehenden Herren" Preußens und Österreichs überlegen waren. Im "Baseler Frieden" von 1795 trat Preußen aus der Koalition gegen Frankreich aus - Österreich kämpfte bis 1797 weiter. Hofer beteiligte sich als Mitglied der Passeier Schützenkompanie in den Jahren 1796/97 an den Kämpfen gegen die Franzosen. Der Krieg der zweiten Koalition gegen Frankreich (1798-1802) verlief für die Gegner Frankreichs erfolgreicher, wurde aber durch den Dritten Koalitionskrieg nivelliert. Nach der verheerenden Niederlage in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz (1805) schloss Österreich den "Frieden von Preßburg" und musste Tirol und andere Gebiete an Bayern abtreten. Bayern und sein "Minister Maximilian von Montgelas" gehörten zum Rheinbund, der loyal zu Frankreich stand. Kaiser Napoleon und Frankreich waren das Sinnbild für Vorschritt in Gesellschaft und Politik. Doch in Tirol wollte Napoleon die Aufklärung erzwingen. Die Tiroler Söhne mussten für sechs Jahre Kriegsdienst leisten, Wallfahrten und Prozessionen wurden verboten, Klöster aufgelöst und Priester entlassen. Der Name Tirol wurde abgeschafft und ein erbarmungsloses Steuersystem eingeführt. 

In dieser Situation konnte Hofer nicht stillhalten. 1805 wurde er von Erzherzog Johann mit der Organisation des Widerstandes gegen die Bayern im Passeiertal und Vintschgau betraut. Die beiden kannten sich schon seit mehreren Jahren; der Erzherzog war öfters Gast im Sandhof. Der spätere Bauernführer war beileibe kein Streiter für so neumodische Werte wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Er kämpfte im Gegenteil wacker dagegen, getrieben von einer ins Bigotte gesteigerte Religiosität. Vor allem die Verbindung zum Kapuzinermönch Johann Simon Haspinger, einem christlichen Fundamentalisten und Einpeitscher, der Hofer für seine Sache gewinnen konnte, radikalisierte den Bauernführer zusehend. Haspinger nahm als Feldpater am Tiroler Freiheitskrieg teil.
Hofer führte zusammen mit P. Mayr und J. Speckbacher den Aufstand in Tirol. Am 24. Dezember 1808 begann die Erhebung Österreichs gegen Frankreich. Am 25. und 29.5.1809 siegte er auf dem Berg Isel bei Innsbruck über die Bayerische Armee. Auch ein sächsisch-thüringisches Regiment kann Hofer am 4.6 im Eisacktal schlagen. Die anfangs mit Mistgabeln und Dreschflegeln bewaffneten Tiroler verteidigten ihre gebirgige Heimat gegen die weit überlegenen Truppen. Dem Vorbild Österreichs folgend finden einige Erhebungen gegen die Franzosen in Norddeutschland statt. Hofers Loyalität zum österreichischen Kaiserhaus wurde jedoch durch den Waffenstillstand von Znaim vom 12.7. erschüttert. Österreich wurde gezwungen, seine Truppen aus Vorarlberg und Tirol abzuziehen und Tirol somit an Bayern wieder ausgeliefert. Am 13.8. gelang ihm der entscheidende Sieg, worauf die französisch/bayerische Armee am 18.8. Tirol verließ. 

Am 14.08.1809, im Friede von Schönbrunn, musste Österreich erneut Gebiete an Bayern und Frankreich abgeben. Erzherzog Johann schrieb einen Brief an Hofer, worin ersterer das Volk von Tirol im Namen des Kaisers ermahnte, sich nicht vergeblich aufzuopfern, da jeder weitere Widerstand gegen die Macht Napoleons aussichtslos sei. Der von "seinen" Fanatikern schlecht beratene Hofer setzte seinen Kampf allerdings fort. Nach dem vierten, diesmal aber verlorenen Gefecht am Berg Isel wurde er verraten, verhaftet und nach Mantua gebracht, wo ihn die Franzosen am 20. Februar 1810 hinrichteten. Sein letzter Satz nach der ersten Salve des Erschießungskommandos soll "Ihr könnt ja noch nicht mal richtig schießen" gewesen sein. Haspinger konnte sich durch Flucht nach Österreich retten. Er wurde später neben A. Hofer und J. Speckbacher in der Innsbrucker Hofkirche beigesetzt.

Der Mann aus dem Eis, Ötzi im Archäologiemuseum

Ötzi die Gletscher- mumie

Der "Mann vom Hauslabjoch", allgemein bekannt als Ötzi, ist eine Gletschermumie aus der ausgehenden Jungsteinzeit (Neolithikum) bzw. der Kupferzeit (Eneolithikum, Chalkolithikum). Am 19. September 1991 wurde die etwa 5300 Jahre alte Mumie beim Tisenjoch nahe dem Hauslabjoch in den Ötztaler Alpen oberhalb des Niederjochferner in 3210 m Höhe gefunden. Die offizielle Bergung wurde am 23. September 1991 durch den damaligen Vorstand des Instituts für Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck, Prof. Rainer Henn, durchgeführt. 

Das Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen verwendet die Bezeichnung "Der Mann aus dem Eis" oder "Mumie von Similaun".
Da Ötzi in der Grenzregion zwischen Nord- und Südtirol und damit zwischen Österreich und Italien gefunden wurde, erhoben beide Staaten zunächst Anspruch auf die Leiche. Ursache ist die 1918 geschlossene Definition der Grenze, die zwischen den Grenzsteinen geradlinig verlief. Somit konnten Gebiete südlich der Wasserscheide noch zu Österreich und Gebiete nördlich davon zu Italien gehören. Obwohl sich der Fundpunkt bereits nördlich der Wasserscheide befindet, lag er somit auf italienischem Staatsgebiet in Südtirol. Seit 2006 ist jedoch ein neuer Staatsvertrag zwischen Österreich und Italien in Kraft, in der die Wasserscheide als Grenzverlauf bestätigt wird. Da aber für das Tisenjoch eine Ausnahme definiert wurde, liegt die Fundstelle weiterhin in Südtirol (Italien). Seit März 1998 ist Ötzi daher im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt. Für die Präsentation mussten vollkommen neue Kühltechniken entwickelt werden. Die erste wissenschaftliche Publikation fand durch Konrad Spindler von der Universität Innsbruck statt.


Körperlicher Befund
Bis auf einen Bandscheibenverschleiß der Lendenwirbelsäule und eine tödliche Verletzung durch einen Pfeilschuss in die linke Schulter ist der Körper des ca. 45 Jahre alten und ungefähr 1,58 m (der Mann muss, da der Körper beim Gefrieren schrumpft, größer gewesen sein) großen Leichnams nahezu unversehrt und vollständig. In den Haaren wurden hohe Konzentrationen von Metallen nachgewiesen, daher vermutet man, dass er mit Kupferbearbeitung beschäftigt war.

Die Zähne sind stark abgenutzt, aber nicht von Karies befallen; dem Mineralienstatus der Zähne nach zu schließen kam er aus dem Eisacktal. An der Mumie wurden 15 blauschwarze Tätowierungs-Gruppen gefunden, die aus Kohlestaub bestehen. Sie dienten möglicherweise therapeutischen Zwecken und setzen sich aus insgesamt 47 Einzeltätowierungen zusammen (parallele Linien im Lendenbereich, Streifen um seinen rechten Fußknöchel und eine Tätowierung in Form eines Kreuzes hinter seinem rechten Knie und einige Punktierungen an klassischen Akupunkturpunkten). Dieses „Brennen“, bei dem Heilkräuter mit Nadeln unter die Haut gebracht werden, ist auch von anderen Völkern bekannt.

Reinhold Andreas Messner (* 17. September 1944 in Brixen, Südtirol) ist Südtiroler, Extrembergsteiger, Abenteurer, Buch- und Filmautor (u. a. über seine Expeditionen) sowie Politiker (Grüne). Er stammt aus Villnöss in Südtirol und ist Ehrenbürger der Gemeinde. Heute lebt er auf seinem Schloss Juval im Vinschgau. In dem Bergdorf Sulden am Ortler züchtet er Yaks und hat in einem renovierten Bergbauernhof das Restaurant »Yak und Yeti« eingerichtet. Dort unterhält er außerdem ein kleines Bergsteigermuseum. Sein Zweitwohnsitz ist München.
Messner ist einer der bekanntesten, aber auch umstrittensten Bergsteiger. Neben seiner starken Selbstvermarktung und Medienpräsenz mit häufig polarisierenden Äußerungen zum Bergsteigen lasten ihm ehemalige Seilschaft-Kollegen den Tod seines Bruders Günther im Jahr 1970 an. Messner hat Vermessungskunde an der Universität Padua studiert. Eine Zeit lang unterrichtete er Mathematik an einer Mittelschule.
Vom 20. Juli 1999 bis zum 19. Juli 2004 vertrat Messner die italienischen Grünen im Europäischen Parlament.


Lebensweg

- Als erster Bergsteiger bestieg Reinhold Messner 1978 mit dem Österreicher Peter Habeler den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät, zwei Jahre später den selben Berg als erster sogar im Alleinaufstieg, und im Lauf der folgenden Jahre bestieg er als erster Mensch alle 14 Achttausender. 

- 1989 durchquerte er zusammen mit Arved Fuchs die Antarktis beinahe ohne technische Hilfsmittel. 

- Am 19. September 1991 war Messner mit Hans Kammerlander zufällig zugegen, als deutsche Bergwanderer, die Rentner Erika und Helmut Simon aus Nürnberg, den sogenannten „Ötzi“, eine mumifizierte Leiche aus der Kupferzeit, im Eis des Similaungletschers in den Ötztaler Alpen entdeckten. Er selbst datierte sie bei der Freilegung zwei Tage darauf zuerst falsch auf das 18. Jahrhundert. 

- Messner engagierte sich schon seit den 1980er-Jahren für den Umweltschutz, 1999 wurde er als parteiloser Kandidat für die Grünen für fünf Jahre ins Europäische Parlament gewählt. Danach bewarb er sich für seine Wiederwahl statt bei der italienischen Grünen Partei bei den bayrischen Grünen, wurde dort aber nicht als Kandidat akzeptiert. 

- Ab 2003 arbeitete er am Projekt Bergmuseum auf Schloss Sigmundskron. 

- Im Jahr 2004 unternahm Messner eine andere Art von Expedition: Er durchquerte alleine die Wüste Gobi. Dabei legte er eine Strecke von 2000 km zurück. Aus Respekt vor den Einheimischen rasierte er sich vorher seinen Bart ab. 

- Seit den 1990er-Jahren reflektiert Messner sein gelegentlich extremes Handeln und seine Planung ausführlich und öffentlich. Dies hat ihn, wie viele Extremsportler, zu einem gefragten Trainer bei Manager-Seminaren gemacht. 

- Im Sommer 2006 eröffnete er das Bergmuseum auf Schloss Sigmundskron, das das Werden und Vergehen der Berge, die Kulturen im Himalaya-Gebiet und die Geschichte Südtirols in einem Museum vereint.

Reinhold Messner bestieg als erster Mensch und überdies ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff alle vierzehn Achttausender der Erde.

Begründer der Autonomie Südtirols

Silvius Magnago, geb. am 5. Februar 1914 in Meran ist Jurist und Politiker. Als langjährigem Landeshauptmann verdankt ihm Südtirol seine erst 1992 abgesicherte Autonomie.


Werdegang
Nach der Matura am Franziskanergymnasium in Bozen studierte er Jura in Bologna, wo er im Juni 1940 zum Doktor juris promovierte. Nach der Besetzung Norditaliens durch die Deutsche Wehrmacht wurde er als Soldat einberufen und im Dezember 1943 an der Ostfront schwer verwundet. Als Folge der Verwundung wurde ein Bein amputiert. Seither an den Gebrauch von Krücken gebunden, wurde er 1959 Ehrenpräsident des Südtiroler Kriegsopfer- - und Frontkämpfer-Verbandes. Magnago lebt seit seiner Studienzeit in Bozen. Wegen seiner fortgeschrittenen Parkinsonerkrankung kann Magnago seinem Hobby Schießsport nicht mehr nachgehen. Auch zeigt er sich nur mehr selten in der Öffentlichkeit.

Politik 
Seine politische Tätigkeit begann Magnago 1947 als Gemeinderat von Bozen. Er wandte sich scharf gegen die forcierte italienische Zuwanderung und gegen die einseitige Vergabe von Wohnungen. Nach den ersten Gemeindewahlen von Bozen im Mai 1948 war Magnago bis 1952 Vizebürgermeister der Stadt, und gleichzeitig Präsident des Landtags bzw. des Regionalrats.

1957 wurde er Obmann der Südtirol Volkspartei und hatte dieses Amt 34 Jahre lang (bis 1991) inne. 1960 bis 1989 war er Landeshauptmann. Er gilt als "Vater des Südtirolpakets", das 1969 die Autonomie Südtirols innerhalb Italiens vertraglich regelte, aber erst 1992 wechselseitig angenommen wurde. Er ist auch einer der Vordenker des "Europa der Regionen" und seit 1991 Ehrenobmann der SVP.
1989 bis 1994 war Silvius Magnago Mitglied jener Kommissionen, welche mit Rom die Durchführungsbestimmungen zum neuen Autonomiestatut verhandelte. 

Ehrungen
Magnago ist Träger hoher Auszeichnungen, unter anderem der Länder Tirol, Kärnten, Steiermark, Bayern, der Bundesrepublik Deutschland und der Universität Innsbruck, sowie Ehrenbürger zahlreicher Gemeinden und Ehrenmitglied vieler Vereine.
Im Jahr 2004 erhielt er den Europa-Preis für ein friedliches Europa von der Coudenhove-Kalergi-Stiftung. Überreicht wurde sie von dem ehemaligen österreichischen Außenminister Alois Mock.