Südtiroler Bräuche - Sternsingen, Prozessieren, Feuer machen

Tief in seiner Tradition verwurzelt, setzt Südtirol nach wie vor auf die altertümlichen Bräuche und Rituale seiner Kultur. An den ersten Tagen des neuen Jahres stehen singende Ministranten vor der Tür, am Dreikönigstag werden diese gesegnet und am Herz-Jesu-Sonntag werden die flackernden Feuer in den Meraner Bergen vom Tal aus bestaunt. Prozessionen, Kirchtage und Rituale werden auch im Hotel Tyrol in Schenna großgeschrieben.

Fronleichnamprozessionen in Südtirol, Urlaub Meran

Prozessionen als Ritual im Jahresablauf

Die typischen Tage für eine Prozession sind der Sonntag zu Fronleichnam, Bittprozessionen, jene zu Allerheiligen und eine zu Erntedank. Sehr schön gestaltet sind die Prozessionen zu Fronleichnam und zu Erntedank. An diesen Tagen werden Fahnen und Statuen mitgetragen. Musikkapellen und Chöre tragen zur musikalischen Gestaltung der gemeinsamen besinnlichen Wanderung bei. Außerdem schmücken Vereine wie z.B. die Schützen oder die Feuerwehr mit ihren Trachten den Menschenzug.

Diese Prozessionen haben ihren Ursprung in tiefreligiöser Gesinnung. Zu Ehren des Heilands kommt jeder im Festtagsgewand. Jedes Dorf hat seine eigenen Statuen und Fahnen, seinen eigenen Plan, wie alles verlaufen soll. Auffällig sind die riesigen und farbigen, von starken jungen Männern getragenen Kirchenfahnen, die im Wind wehen und mittels zweier an der oberen Stange befestigter und von einem Helfer gezogenen Schnüre gegen den Wind gesichert werden. Vor allem zu Fronleichnam werden auch die Häuser, an denen die Prozession vorbeikommt, mit Blumen, Tannenzweigen und Heiligenbildern geschmückt.

Fronleichnam wird am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitsfest, dem zweiten Donnerstag nach Pfingsten, begangen (60. Tag nach dem Ostersonntag) und fällt somit frühestens auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni. In Italien und somit auch bei uns in Südtirol wird Fronleichnam am darauffolgenden Sonntag gefeiert. Der Donnerstag ist ein ganz normaler Werktag, alle Geschäfte, Banken, usw. sind geöffnet.

Feuer auf Südtirols Bergen

Auf das 19. Jahrhundert geht diese Tradition zurück und gedenkt dem Gelöbnis, das dem Herzen Jesu gegeben wurde. 1796 versprachen Tiroler Landstände angesichts der Gefahr durch die Truppen Napoleons I. feierlich, das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" anzuvertrauen und dies jedes Jahr aufs Neue zu gedenken. Als Herz-Jesu-Sonntag wurde der 1. Sonntag nach dem Fronleichnamfest gewählt.

Andreas Hofer erneuerte das Gelöbnis vor der Berg-Isel-Schlacht gegen die Franzosen und Bayern. Hofers Truppen siegten überraschend und dies machte den Herz-Jesu-Sonntag zum hohen Feiertag. Zeichen dafür sind heute noch die Bergfeuer, die an diesem besonderen Sonntag entzündet werden und den Himmel über Südtirol beleuchten. Auch die Bergfeuer selbst haben einen geschichtlichen Hintergrund: In Kriegszeiten wurden Bergfeuer als Leuchtzeichen für einen abgesprochenen Kampfbeginn entzündet...

Prozession zum Dreikönigstag ist ein alter Brauch in Südtirol.

Haussegnung mit Weihrauch

Am Dreikönigstag werden vom Pfarrer Wasser und Kreide geweiht und am Abend versammelt sich die ganze Familie am Hof. Aus dem Herd werden glühende Kohlen in eine Pfanne geschöpft und ein paar Körner Weihrauch darüber gestreut. Die kleine Prozession setzt sich betend in Bewegung und zieht mit dem "Kinigwasser" und mit Weihrauch in alle Räume des Hofes.

An den Türrahmen werden mit geweihter Kreide zwischen die Ziffern des neuen Jahres die Buchstaben C-M-B gesezt, nach dem Volksglauben die Anfangsbuchstaben von Kaspar, Melchior und Balthasar, die Namen der Heiligen drei Könige, in Wirklichkeit wohl die Initialen für Christus Mansionem Benedicat, Christus segne das Haus.

St. Oswaldtag, Kirchtag auf Meran 2000, Bräuche Südtirols.

Der 5. August - Oswaldtag

Fest zu Ehren des hl. Oswald auf Meran 2000

Jedes Jahr am 5. August = St. Oswaldtag, ist Kirchtag auf Meran 2000.

Die Prozession zu Ehren des Heiligen Oswald startet um 8.00 Uhr am Piffinger Köpfl, daher sind die Bahnen bereits ab 7.30 Uhr in Betrieb. Die Messe am St. Oswald Kirchlein beginnt um ca. 9.30 Uhr. Die Gläubigen beten für gutes Wetter und eine ertragreiche Ernte. Anschließend Stimmungsmusik auf den Hütten von Meran 2000.

Sankt Oswald ist der gefürchtetste aller Wetterherren. Der hl. Oswald (186) war ein christlicher König im Etschlande. Er wurde von den Heiden seines Thrones beraubt, flüchtete sich zum Ifinger hinauf und wohnte dort bis zu seinem Tode. Solange er regiert hatte, waren die guten Zeiten, in denen es nicht Hunger noch Teuerung, weder Krieg noch Pest gab; Äcker, Felder und Wiesen trugen soviel, daß selbst der Arme mehr als genug hatte und das tägliche Brot nicht sauer zu verdienen brauchte. Über die Entstehung der Oswald-Kapelle am Rücken des Ifingers erzählt die Legende (188): In uralter Zeit ging der Holzwuchs noch viel weiter hinauf und war der Ort der Kapelle dicht von Alpenrosenstauden überwachsen. Darin fanden Hirten ein Bild des hl. Oswald. Sie trugen es in die Schenner Pfarrkirche. Doch kaum war die Nacht angebrochen, stieg Oswald lichtstrahlend aus der geschlossenen Kirche empor und ritt dem Ifinger zu, wo man ihn wieder in den Alpenrosen fand. Dies wiederholte sich noch einige Male, bis man endlich mitten in den Alpenrosen eine Kapelle erbaute und das Bild dort unterbrachte. Die lieblichen Alpenblumen heißen noch heute bei den Haflingern „Oswaldstauden".

Eine andere Sage (189) berichtet: Vor alter Zeit lebte im Vinschgau ein Riese, der schon damals mit Marmor umzugehen wußte und mit großen Blöcken auf den Schultern sozusagen hausieren ging. Einst begegnete ihm ein vornehmer Herr und fragte, ob er nicht auf dem Ifinger ein Kirchlein bauen wolle, doch müsse er einen großen Block hinaufliefern. Abgemacht! Kaum waren sie eine Stunde bergan gegangen, entkam dem Riesen der Marmorklotz und rollte davon. Erzürnt schwur der Riese: „Wenn ich den Block nicht hinaufbringe, soll mein Hammer zeigen, was ich kann; das Kirchlein werd ich bauen!" Auch das zweite Mal kam er mit dem Marmorstein nicht ans Ziel. Darum stieg er mit dem Hammer allein zur Baustelle hinauf, hieb mit ihm in die Ifingerwände, daß die Felsstücke flogen und war bald mit der Kapelle fertig. Dann stieg er auf die Spitze des Berges, schwang den gewaltigen Hammer und schleuderte ihn auf die andere Talseite. Er fand sein Werkzeug auf dem Vigiljoch und errichtete dort auch ein Kirchlein, wo es heute noch zu sehen ist.

In den ersten Jännertagen ziehen Ministranten in Königskostümen von Haus zu Haus; sie übermitteln Segenswünsche für Haus und Bewohner und bringen Weihrauch und Kreide. Bei dieser Gelegenheit sammeln sie für besondere Anliegen.

Im sechzehnten Jahrhundert lässt sich der Brauch des Sternsingens erstmals urkundlich nachweisen.